KaleidoPäd 2019

der KITA-Kongress des Städtischen Trägers
30 Jahre Kinderrechte - 150 Jahre Referat für Bildung und Sport

Abschlussgedicht - Blick.

 
Blick.

Das ist für die Kaleidoskopbaumeister und für die, die hineinblicken
Für die Kongressarchitekten und für die, die hingehen
Für die lärmpegelgeplagten Männer und Frauen an den Marktständen der Möglichkeiten, die nichts verkaufen wollen, sondern begeistern, und begeistert haben
Für die, die das Staunen nicht verlernt haben, und voller Mut und Forscherdrang an sinnlich an Schläuchen schnuppern
Für die Glücksrad-Ritter mit glücklichem Händchen
Für die Klangschalen-DJs und Therapiehund-Dompteure
Für die Aus-Zeit-Reisenden und Wett-Entspanner
Für heisere Eröffnungsrednerinnen und die gebirgsbach-klaren Kinderchorstimmen
Für die, die Hände reichen, für die, die sie pflegen, für die, die sie nehmen
Für die, die Plakate aufhängen und für die, die sie klauen
Für die Kinderrechtsanwälte
Die Alltagediebe und die schweigenden Lernpschyologen
Für die in den Sandkästen schwer arbeitenden Spielfachkräfte
Für die mit dem Schalk im Nacken, dem Herz am rechten Fleck und dem unbedingten Willen hier aufzutreten
Für die telefonnummersammelnden Hundewelpen
Für die Popcorncowboys im ersten Stock, die Kartoffel-Profis und Musenküsser, die singenden Nervensägen und Sinnstifter
Für den Post-It-patschenden Powerpoldi,
Für die nach neuem Gierigen und die alten Neugierigen
Für das ABC des Lernes, das jede Person x aus dem ff kennen sollte
Für den Obermaier Sepp und den Sackerl Zment
Für die frühlingsversprechenden Sonnenstrahlen, die auf uns herabfielen und unser Kaleidoskop zum Leuchten brachten
Das ist für alle Möglichkeiten, alle Mitarbeiter, alle Kollegen und die, die es werden

Euch sei gesagt
Für eich dieser Rat

Werft einen Blick
Werft einen Blick hoch
Werft einen Blick in
Werft einen Blick auf
Werft einen Blick um
Werft einen Blick hinter
Werft einen Blick über

Hoch in den Himmel
In ein Kaleidoskop
Auf eure Umwelt
Um die Ecke
Hinter die Kulissen
Über den Tellerrand

Hoch in den Himmel um den Überblick zu bekommen.
In ein Kaleidoskop um die Möglichkeiten zu sehen.
Auf eure Umwelt um zu erkennen was abgeht.
Um die Ecke, hinter der man das vermutet, was man fürchtet.
Hinter die Kulissen, die sie uns aufgebaut haben.
Über den Tellerrand, von dem man gemütlich Kuchen isst.

Werft einen Blick in verschiedenen Blickwurfwinkeln.
Mit geweiteten Pupillen, um viel Licht für neue Eindrücke sammeln zu können.
Ein Blick gegen den Fahrtwind, auch wenn es im Auge brennt und Fliegen in das Auge fliegen.
Behaltet den Durchblick, aber: der richtige Blickdruck ist das Geheimnis.
Blickt auf keinen Fall durch alles hindurch.
Und bleibt auch nicht an der Oberfläche hängen.
Blickt genau in die Mitte der Dinge.
Beobachtet das Form- und Farbenspiel und erkennt den Rhythmus.
Bewegt euch mit den Dingen, seid kein Widerstand, aber schwimmt auch nicht mit dem Strom.
Werft einen Blick und schaut, wer ihn fängt.
Sicher ist nur, egal wo er landet, es gibt dort etwas zu entdecken.
Werft einen Blick in den Sonnenuntergang, während ihr auf einem Therapiepony über die Bildungslandschaft reitet.
Lasst euch blenden, denn das ist besser als im Dunkeln zu sitzen, im Keller, allein mit geschlossenen Augen bei Sonnenfinsternis.
Lasst euch nur nicht verblenden oder hinters Licht führen.
Lasst euch verwirren, lasst euch faszinieren. Täuscht euren eigenen Blick mit der Kraft eurer Fantasie.
Werft einen Blick auf die im Morgen dampfenden Theresienwiesen, wo der Nebel dicht wabert wie ein Meer aus Milch.
Springt vom Beckenrand.
Das Wasser mag kalt sein! Aber an Land lernt man nicht Schwimmen.
Mit geschlossenen Augen lernt man nicht erkennen.
Im Sitzen lernt man nicht Rennen.
Macht Erfahrungen und werdet erfahren, erlaubt es, von anderen erfahren zu werden.
"Das heißt Pädwalk und nicht Pädsteh“.
Das heißt Päda-Go-Gik.
(Das war mein lyrischer Tiefpunkt)
Natürlich gibt es Tiefpunkte.
Und Suppenkomas.
Und S-Bahn-Blackouts.
Und Überraschungskonzerte von Trommelgruppen.
Und manchmal scheitert man nicht so schön, wie man erhofft hatte.
Und manchmal werden ganze Himmelsrichtungen auf Fragebögen vergessen.
Und vielleicht ist irgendwann die Gulaschsuppe leer.
Und manchmal entpuppen sich Staubsaugerschläuche als Rohrkrepierern.
Aber nichts bleibt so, wie es ist, alles fliesst und das Kaleidoskop dreht sich weiter.
Werft einen Blick.
Schaut, wie er fliegt.
Wo er landet.
Was er sieht.
Wer da steht.
Was er tut.
abcdefghijklm:


- Nur Mut!